No Billag – No Sports!

Verheerende Auswirkungen auf den Schweizer Sport
Es gibt einige Situationen im Leben, in denen sich der Sport und seine Protagonisten gegenüber der Politik mit aller Heftigkeit wehren müssen, wollen sie nicht hinterher von einer verpassten Chance sprechen und sich entsprechend frustriert wiederfinden. Eine solche Situation ist die Abstimmung vom 4. März 2018 über die sogenannte «No Billag-Initiative», deren Annahme an der Urne für den Schweizer Sport eine Katastrophe von noch nie gesehenem Ausmass wäre. Und zwar für den Amateur-, wie auch für den Profisport, respektive sowohl für die grossen Publikumssportarten, als auch für die vielen Randsportarten, für welche dunkelste Finsternis anbrechen würde.
Wieso sollte eine Vorlage, welche vorgibt, dem Stimmvolk eine Gebühr für den TV- und Radiokonsum zu ersparen, so dramatische Auswirkungen haben? Weil wir es hier wieder einmal mit einem Etikettenschwindel von seltener Perfidie zu tun haben. Da gaukelt man uns vor, es ginge um etwas Finanzielles, aber das Ziel dieser Attacke ist ganz klar die Zerschlagung der SRG, das heisst des öffentlich-rechtlichen Leitmediums der Schweiz. Ohne die durch die Billag eingezogene Gebühr, welche übrigens für die privaten Haushalte im Vorfeld der Abstimmung von rund 450 Franken um fast hundert Franken gesenkt worden ist, wäre die SRG nicht lebensfähig und müsste den Laden in kürzester Zeit schliessen. Und für den Schweizer Sport hiesse das: «Blackout» in Fernsehen und Radio, zumindest was die flächendeckende Berichterstattung betrifft, denn es würden nur noch ein paar Rosinen-Picker die Massensportarten Fussball und Eishockey abdecken – nicht gratis natürlich, sondern nur im Abonnement. Heute schon wird für jede dieser Sportarten von zwei verschiedenen privaten Anbietern je so viel verlangt, wie die SRG für die über 70 in der Schweiz ausgeübten Sportarten zusammen einziehen möchte. Von allen diesen Sportarten werden sicher an die fünfzig mindestens einmal pro Jahr auch am Fernsehen gezeigt, und rund dreissig sind regelmässig Thema in der Sportberichterstattung bei der SRG. Dabei ist das für diese Verbände aus drei Gründen lebenswichtig. Erstens machen solche Berichte jedes Mal Reklame für den entsprechenden Sport und rekrutieren neue Interessenten. Zweitens gestatten auch schon kleine Beiträge den Organisatoren ihre Sponsoren und Werbepartner für deren Einsatz mit etwas Bildschirmpräsenz zu belohnen, und drittens sind bei grösseren Anlässen auf Grund der TV-Rechte für die Verbände ganz ansehnliche Summen für die Übertragungsrechte zu generieren. So gesehen ist die SRG für den Schweizer Sport einer der grössten Sponsoren, zumal wenn man die Produktionskosten der Übertragungen, welche die SRG übernimmt, noch dazu rechnet.
Gäbe es die SRG nicht mehr, wäre damit Schluss, denn die privaten Fernsehstationen lassen sich ja heute schon von den Verbänden oder Organisatoren von Sportveranstaltungen dafür bezahlen, dass sie darüber (möglichst positiv) berichten, indem sie ihnen die Produktions- und sonstigen Unkosten verrechnen. Diese Produktionskosten wären auch in Zukunft die Krux, welche dafür sorgen würden, dass viele Sportarten einfach von den Bildschirmen verschwinden würden, denn Eishockey, Fussball, Unihockey, Handball oder Tennis können zur Not mit vier bis sechs Kameras ganz ordentlich abgedeckt werden und damit den durchschnittlichen Zuschauer durchaus zufriedenstellen. Aber versuchen Sie das einmal mit Ski-, Leichtathletik, OL, Kunstturnen, Rad oder Mountainbike-Rennen. Da stösst man rasch an Grenzen des für private Stationen möglichen. Der Aufwand lässt sich nie und nimmer refinanzieren. Und der Einkauf von ausländischen Produktionen würde ohnehin die meisten Budgets sprengen.
Damit dürfte klar sein, dass ohne öffentlich finanzierte SRG auch der Sport-Fernsehzuschauer in ein schwarzes Loch gucken würde, es sei denn, er greife kräftig ins eigene Portemonnaie; und auch da hätte er nur noch eine kleine Auswahl von Massensportarten, welche die privaten Stationen überhaupt zum Senden reizen würden.
Und wer stets behauptet, er brauche TV und Radio gar nicht, weil er sich anderweitig informiere, der würde sich wundern, wie wenig er noch zu sehen oder zu hören bekäme, ohne die von der SRG produzierten Beiträge, welche heute überall präsent sind.
Aber dass bei einer Zerschlagung der SRG vor allem die Sportfreunde revoltieren würden, muss den «No Billag»-Initianten aus dem konservativen politischen Spektrum erst im Nachhinein aufgegangen sein, sonst würden ihre öffentlichen Beschwichtigungsversuche nicht so abenteuerlich wirklichkeitsfremd tönen.
Das eigentliche Ziel ist ja die Zerschlagung der unabhängigen politischen Berichterstattung durch die in allen Umfragen als vertrauenswürdigste Quelle unter den Schweizer Medien genannte SRG. Die Nutzniesser davon stünden schon lange in den Startlöchern, obwohl man seit einem halben Jahrhundert weiss, wohin so etwas führt. Die USA haben das in allen Details schon vorgelebt, und das Ergebnis ist eine Nation, die keine Ahnung mehr hat, was wahr ist und was falsch. Was wir deshalb sicher nicht brauchen, sind private Medienzaren à la Murdoch oder Berlusconi, welche der Welt ihre eigene, unausgegorene Sichtweise aufzwingen wollen.
Es kann für die Schweiz deshalb nur heissen: «Wehret den Anfängen!», denn man kann eine Institution nicht «ein wenig» kaputt machen. Kaputt ist kaputt – Schluss, Ende!
Wer also glaubt, der SRG aus welchen Gründen auch immer (siehe Leserbriefspalten der Zeitungen etc.) einen Denkzettel verpassen zu müssen, der soll hinterher nicht sagen können, er hätte nicht gewusst, was das bedeute.
«Pro Sport» heisst «Nein zu No Billag!», und auch das darf ruhig eine starke Demonstration sein!

Peter Tobler