Herbstausflug vom 14.9.17 nach Mörschwil

Afrikanische Laufvögel im Schweizer Regen
Nur nicht den Kopf in den Sand stecken – auch wenn das bei dem strömenden Regen in Mörschwil durchaus eine Alternative gewesen wäre!
Das sich um die Mittagszeit über dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie Eberle entladende Gewitter ertränkte jeden Anflug von Exotik, den man sich vom Besuch der zweitgrössten Straussenfarm Europas erhofft hatte. So konnte man am Ende der interessanten Führung zur Einsicht gelangen, dass es sich auch bei diesem Betrieb haupt­säch­lich um eine Institution zur Fleischgewinnung handelte, genau wie die übrigen Sektoren mit den Rindern, Kälbern und Lämmern. Aber dazu später mehr!

Am frühen Morgen trauten die meisten der 45 TVU 60plus-Mitglieder, die sich für den Herbst­ausflug in die Ostschweiz angemeldet hatten, kaum ihren Augen. Nach einer misera­blen Wetterprognose am Vorabend mit Sturm- und Regen-Voraussage, wölbte sich um 6 Uhr ein strahlend blauer Morgenhimmel über Zürich und Umgebung. Die Vorhersagen waren aber den ersten TVU-Reisenden auf dem Carparkplatz so in die Knochen gefahren, dass sie sich unter dem schützenden Dach des Warteraums «verkrochen» hatten. Erst als dann die meisten Neuankömmlinge sich ihrer Jacken entledigten, um die wärmenden Sonnenstrahlen zu geniessen, verlagerte sich die Begrüssungs-Szene allmählich auf den Vorplatz. Damit war schon einmal der halbe Herbstausflug gerettet, denn nichts ist mühsamer, als sich mit dem Regenschirm in der Hand standesgemäss zu begrüssen. Die allgemeine Laune stand also schon einmal im Hoch.
Der Drusberg-Car mit Chauffeur Hanspeter aus Einsiedeln stand schon sehr früh bereit und lud zum Einsteigen. Dabei waren die Teilnehmer/innen so pünktlich, dass die Reise sogar fünf Minuten vor der festgesetzten Zeit losgehen konnte. Und der Verkehr auf der A1 in Richtung Winterthur war derart flüssig, dass wir im Schloss Wülflingen fast eine Viertelstunde vor der abgemachten Zeit einfuhren. Damit bot sich die Gelegenheit, erstens das prachtvolle Schloss schon von aussen genau anzuschauen, und zweitens alle 45 Reiseteilnehmer/innen für ein gemeinsames Foto aufzustellen. Danach wurden wir in den grossen Saal gebeten, wo schon der Kaffee und die Gipfeli als standesgemässer Znüni warteten. Die Geschäftsführerin des Restaurationsbetriebs, Regula Brunner, welche das Schloss für den TVU extra um fast zwei Stunden früher geöffnet hatte, bot danach in einem breit gefächerten Referat einen Überblick über das im Jahre 1644 erbaute Herrschaftsgut am Rande von Winterthur. Regula erzählte mit so viel Herzblut und Sachkenntnis, dass Zeit wie im Flug vorbeiging. Und bevor die Reisegruppe die vielen wunderbaren und stilecht eingerichteten Zimmer und Säle und das grosse Weingewölbe im Keller besichtigen konnten, schlug noch die grosse Stunde von Reiseleiter Bruno Seiler, der sich lange auf die Dankesadresse für Regula mit Blumenstrauss, TVU-Jubiläumsschrift, TVU-Kugelschreiber und einer Serie von Küssen vorbereitet hatte… Regula zeigte sich jedenfalls total überrascht und gerührt, womit der Sinn und Zweck des Dankes erfüllt war. Die Besichtigung der Räumlichkeiten mit den insgesamt 7 imposanten Kachelöfen aus verschiedenen Schweizer Kunsthand-werksbetrieben und mit den prächtigen Wandmalereien renommierter Künstler, war ein erster Höhepunkt der Reise, und die Teilnehmer waren einhellig der Meinung, dass sich dieser Abstecher ausbezahlt hatte.
Beim Einsteigen in den Car war dann Eile geboten, denn die Meteorologen hatten die Wirklichkeit mittlerweile ihren Prognosen vom Vorabend angepasst. Es windete schon ziemlich stark, und die ersten Regentropfen machten sich bemerkbar. Die rund dreiviertelstündige Fahrt durch den Thurgau nach Mörschwil im Kanton St. Gallen war dann ein wirklicher Test für die Wasserdichte des Cars und die Fahrkünste des Chauffeurs. Es goss wie aus Kübeln und man wähnte sich teilweise auf einer Fahrt in einem U-Boot, rundum nur Wasser.
Bei der Ankunft auf der Straussenfarm Eberle war noch keine Wetterbesserung auszumachen. Aber darauf war man eingerichtet, und die Führung konnte praktisch vollständig unter den ausladenden Dächern der Stalllungen durchgeführt werden, so dass die mitgebrachten Schirme in den Taschen blieben. Empfangen und informiert wurden wir vom Chef persönlich. Cornel Eberle liess uns gleich zu Beginn wissen, dass auch er ein «altgedienter» Turner mit grosser Turnfesterfahrung und Führungsfunktionen auf verschiedensten Ebenen sei. Damit war der Bogen zumindest schon einmal geschlagen. Während der Führung konfrontierte Cornel uns erst einmal mit den bei uns üblichen Formen der Tierhaltung und den Landwirtschaftsproblemen allgemein, denn er hat auch in der Rinder-, Kälber- und Lammzucht eine riesige Erfahrung mit hunderten von Tieren auf dem rund 20 Hektaren grossen Gut. Als einige Besucher schon unruhig zu werden begannen («Wann kommen wir zu den Straussen?»), da wurden wir zum äusseren Ende der Stallungen geführt, und dort waren sie, die Tiere mit den grossen Federn, welche nicht fliegen können, und den langen Hälsen und kleinen Köpfen, welche sie nach Meinung des Volksmundes ständig in den Sand stecken… Dass die ursprünglich aus Afrika stammenden Strausse beim herrschenden Schweizer «Sauwetter» keine Lust verspürten, sich im Freien zu produzieren und ihre Schnelligkeit im Laufen (bis 60 km/h) zu demonstrieren, war verständlich. Sie liessen sich ja auch unter Dach fotografieren, und die interessanten Ausführungen von Cornel Eberle zur Aufzucht und Hege der Strausse als Fleisch- und Federn-Lieferanten, liessen die TVU-Besucher das missliche Wetter rasch vergessen. Und der «Jöööö-Effekt» kam ganz zum Schluss, als er uns die erst wenige Wochen alten Straussen-Babys zeigte und anfassen liess. Nach rund einer Stunde mit interessanten und beeindruckenden News und Zahlen zur Fleischzucht in der Ostschweiz wartete dann der warme Partyraum auf die hungrigen Gäste. Der Bauer und seine Frau sind eben auch Wirt und Wirtin, und das Paar hat ein genaues «Timing» für die Bewirtung einer grossen Gesellschaft. Am Selbstbedienungsbuffet gab’s Fleischspiesse mit Müsterchen aus allen Zuchtbereichen, dazu Kartoffelsalat und eine grosse Mischsalatschüssel. Dank diszipliniertem «Kolonnenverhalten» konnten innert weniger Minuten alle Gäste ihre Essens- und Getränkeportionen abholen und sich die lokalen Produkte «frisch auf dem Tisch» munden lassen. Und weil wir aus früheren Fehlern im Zeit-Management gelernt haben und die Dauer des Aufenthalts grosszügig berechnete hatten, wurde es ein sehr gemütliches Geniessen bis hin zum Dessert und zum Kaffee. Und Bruno Seiler kam auch hier wieder zu seinem Dankesauftritt mit TVU-Wimpel, Jubiläumsschrift und Kugelschreiber, nur ohne Küsserei…
Danach nahm auch Präsident Jörg Schaad die Gelegenheit wahr, um seinen Dank für die Organisation an Bruno Seiler und den ganzen Vorstand abzustatten und die neuesten Informationen aus dem Vereinsleben weiterzugeben. Und er lag mit seiner Einschätzung über die Qualität und den hohen Informationsgehalt des diesjährigen Herbstausflugs voll auf der Linie der Meinungen der Reiseteilnehmer/innen. Mit seinem Ausblick auf die Jahresendveranstaltungen Schlusshock und Silvesterlauf-Apéro stellte er dann schon die nächsten Höhepunkte im TVU 60plus in den Raum.
Pünktlich um 15 Uhr war dann die ganze Reisegesellschaft wieder im Car versammelt, nachdem sich einige Besucher im Hofladen noch mit Köstlichkeiten eingedeckt hatten. Für die Rückfahrt wählte Chauffeur Hanspeter die Strassen abseits der Autobahn aus und führte uns dem Bodensee, Untersee und Rhein entlang bis nach Stein am Rhein und von dort aus via Andelfingen und Winterthur wieder sicher ans Sihlquai in Zürich. Und wer nun ein erneutes Klagelied über das Wetter erwartet, liegt falsch, denn kaum waren wir losgefahren, öffnete sich die Wolkendecke und die Sonne erschien, zuerst etwas zaghaft und dann immer dominanter, so dass wir am Schluss unserer interessanten Reise den Bogen schliessen konnten. In Zürich waren die Regen- und Wärmeutensilien völlig überflüssig, und Sonnenbrille und T-Shirt waren wieder Mode…
Mit einem herzlichen Dank an Cheforganisator Bruno Seiler, der beim Wetter unschuldig war und sonst einen perfekten Reisetag offeriert hat, schliessen wir unsere Betrachtungen über afrikanische Laufvögel, die auch bei Schweizer Regenwetter die Köpfe nicht in den Sand steckten. Insofern waren sie mit ihren in die Höhe gereckten Hälsen für uns «TVU-Oldies» grosse Vorbilder, denn nur mit hochaufgerichteter Haltung vermag man die positiven Seiten des Lebens zu erfassen.
Peter Tobler

 

– Interessantes aus der Geschichte von Schloss Wülflingen

– Straussenhaltung auf der Farm von Familie Eberle

– Grusskarte vom Herbstausflug

– Fotogalerie vom Herbstausflug