Das Ende des Ski Clubs TV Unterstrass

Skiriege: „Endstation – alles aussteigen bitte!“ 

Es war ein voraussehbares Ende einer schon lange andauernden Agonie, und vor zweieinviertel Jahren war es schon fast so weit, dass der Ski Club aufgelöst wurde. Kein Vorstand mehr, kein Nachwuchs und kein, oder kaum Schnee im Mittelland, das waren alles Vorzeichen, dass die Zeit der Skiclubs in der Stadt Zürich endgültig der Vergangenheit angehörte. Die Auflösung und der Übertritt der verbliebenen Mitglieder zu TVU 60plus war damals gut vorbereitet gewesen, aber man verpasste die Möglichkeit, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen, weil sich in letzter Minute drei langlaufende Studenten vorstellten, welche den Verein mit einem neuen Vorstand und mit neuen Zielen weiterführen wollten.
Weil halt das «Loslassen» von einer lieb und vertraut gewordenen Institution immer schwer ist, besonders wenn noch rund ein Dutzend der heutigen Mitglieder direkte Söhne oder Töchter der einstigen Gründerväter der Skiriege sind, ergriff man den Strohhalm und wollte den unerfahrenen Hoffnungsträgern die Chance nicht verbauen.
Das Fazit heute, zwei Jahre später ist allerdings, dass man 2015 der Skiriege noch mit Wehmut nachgetrauert hätte, und nun, zu Beginn des Jahres 2018 froh ist, dass die Geschichte endlich zu Ende ist! Und bestätigt wurde auch die nicht ganz neue Erkenntnis, dass meistens Kompetenz und Führungsstärke nicht nur durch Jugendlichkeit und Enthusiasmus ersetzt werden können…
An einer a.o. Generalversammlung wurde am 30. Januar 2018 die Auflösung des Skiclubs TVU beschlossen. Weitere lebenserhaltende Massnahmen wären kontraproduktiv gewesen. Damit ist das 1932 begonnene Kapitel «Skiriege TVU» nach 85 Jahren und 289 Tagen Geschichte und wird in den Archiven des TVU versorgt.

Ordentliche und a.o. GV am selben Tag
Bis es soweit war, bedurfte es allerdings noch einer 86. und letzten Generalversammlung, die am 30.1.2018 im Clubhaus des FC Unterstrass beim Steinkluppe-Sportplatz durchgeführt wurde. Schon hier war im Vorfeld der eigentlich auf den Dezember 2017 angesetzten GV einiges schief­­gelaufen, und im finanziellen Sektor herrschte in ziemliches Durcheinander, nachdem eines der drei Vorstands­mit­glie­der aus gesund­heitlichen Gründen den Vorstand und den TVU überhaupt verlassen hatte. So wurde die GV um 6 Wochen verschoben und zugleich mit der Einladung auch eine nachfolgende a.o. GV angesetzt, für den Fall, dass sich die Vakanz im Vorstand nicht würde schliessen lassen. Und als es dann so weit war, musste auch noch ein zweites Mitglied des Vorstands krankheitshalber passen», so dass am Schluss noch Präsident Max Goldmann übrigblieb, dem nun die Aufgabe oblag, zuerst die ordentliche und danach die ausserordentliche Generalversammlung zu leiten.
Nach der Begrüssung und dem Dank für das Erscheinen zeigte die Präsenzliste die Anwesenheit von 9 Mitgliedern und zwei Gästen (ohne Stimmrecht), und es war nicht erstaunlich, dass unter diesen 11 Besuchern nicht weniger als 7 TVU-Ehrenmitglieder anzutreffen waren.
Nach zwei Änderungen auf der Traktandenliste begannen die Geschäfte mit der Abnahme des Protokolls der GV von 2016. Dabei setzten auch schon die ersten Kritiken ein, weil einige der im Protokoll aufgeführten Punkte nicht umgesetzt worden waren und die Mitglieder zu wenig über die Abläufe und Probleme im Vorstand informiert worden waren. Nach der Abnahme des Protokolls folgte Teil eins der Aufarbeitung der Finanzen der vergangenen zwei Jahre, weil die Abnahme des Kassaberichts vor einem Jahr wegen unvollständigen Unterlagen hatte zurückgestellt werden müssen. Mit einem Jahr Verspätung wurde das Finanzjahr 2015/16 schliesslich abgeschlossen.
Beim Traktandum «Mutationen» gedachte die Versammlung der verstorbenen Mitglieder Werner Köhli, Rolf Eppler und Reto Caminada sowie der beiden ehemaligen Mitglieder Emil Fröhlich und Armin Stächelin mit einer Schweigeminute.
In seinem mündlich vorgetragenen Jahresbericht begann der Präsident mit den positiven Aspekten. Der Langlaufkurs von Iris Bolliger in Studen war wieder ein voller Erfolg und sollte, ev. in Zusammenarbeit mit dem LAC, in die Nach-Skiclub-Zeit hinübergerettet werden. Die jährlichen Gratulationen für Doris Hogg, die auch im vergangenen Winter wieder Kategoriensiegerin in der Gesamtwertung des «Swiss-Loppet» wurde, sind schon Standard bei den GVs, und die verschiedenen erfolgreichen Teilnahmen an den langen bis ultralangen Wettbewerben der Distanzläufer durch die Vorstandsmitglieder wurden ebenfalls positiv erwähnt. Bei den negativen Aspekten, die mit dem Auseinanderfallen des Vorstands und damit auch des Ski Clubs endeten, trug Max Goldmann seine Version vor und erntete bei den Zuhörern einiges an Mitleid.
Beim Kassabericht für das vergangene Vereinsjahr gab’s weitere Details zum Scheitern des Projekts «Rettet den Ski Club» von 2015. Die Revisoren Bernhard Regli und Verena Regli hatten einiges zu erzählen, über die Probleme, den Finanzhaushalt zu durchforsten und einen «salonfähigen» Abschluss zu erreichen. Trotz einem Defizit von knapp 2400 Franken (ohne reellen Gegenwert, wie aus dem Plenum moniert wurde) und mit der Versicherung, dass keine weiteren Schulden mehr anstehen würden, konnte der Kassabericht 2016/17 angenommen und dem Vorstand Décharge erteilt werden. Man wusste ja, es würde das letzte Mal sein. Dabei bedankten sich die Revisoren explizit beim Präsidenten für seine Unterstützung und Zusammenarbeit, und die Versammlung dankte es ihm mit einem verdienten Applaus.
In einem vorgezogenen Traktandum wurden noch verschiedene Anträge von Mitgliedern behandelt, die sich mit dem Wechsel der verbliebenen Mitglieder zu einem anderen TVU-Verein befassten. Dabei werden die über sechzigjährigen Mitglieder gesamthaft zum TVU 60plus wechseln, und dieser Transfer wird direkt vom neuen Verein abgewickelt. Die jüngeren Mitglieder (das sind etwa ein halbes Dutzend Mitglieder) können sich direkt an einen der übrigen Mitgliedvereine wenden, am ehesten an den LAC, um weiterhin Mitglied im TVU zu bleiben. Lizenzmässig müssen sie beim Schweizer Skiverband «Swiss Ski» für die Zukunft eine Einzellizenz lösen, denn auf Ende der Wintersaison 2017/18 wird die Vereinsmitgliedschaft beim Schweizer und beim Zürcher Skiverband gekündigt.

Die a.o. Generalversammlung sagt «ja»
Die Auflösung des Ski Clubs und die Kündigungen bei den Verbänden wurden gleich im Anschluss an die ordentliche Versammlung in einer a.o. GV mit den gleichen Teilnehmern in nur 4 Minuten beschlossen, wobei der Auflösungsbeschluss gemäss Statuten ein 4/5 Quorum brauchte, welches aber kein Hemmnis darstellte.
Um 19.29 Uhr war das Kapitel Ski Club im TVU beendet – und das allgemeine Bedauern hielt sich in Grenzen.
Den Abschluss des Abends bildete ein reiches Apéro-Buffet, welches Max Goldmann in Zusammenarbeit mit dem Beck Gnädinger organisiert hatte, und welches die Stimmung nach der Versammlung wie erwartet, rasch aufheiterte…

Peter Tobler