Stefan Mühlemann, der neue Präsident des VZSILA

Wir stellen vor:
Ein leidenschaftlicher Läufer ist neuer Präsident
des Vereins Zürcher Silvesterlauf!
Mit dem 45jährigen Finanzfachmann Stefan Mühlemann ist ein leidenschaftlicher Läufer zum neuen Präsidenten des Vereins Zürcher Silvesterlauf gewählt worden.
Der ehemalige Mittelstreckler und Steepleläufer des TV Unter-strass ist prädestiniert für die Führungsaufgabe beim zweitgrössten Deutschschweizer Laufanlass, wie kaum ein anderer. Schon im Alter von 9 Jahren stand er zum ersten Mal an der Startlinie des Zürcher SILA, nachdem ihn sein Vater, ebenfalls ein begeisterter Langstreckenläufer, versuchshalber mitgenommen hatte. Und das Erlebnis beflügelte Stefan derart, dass er seinen Vater bekniete, ihn doch im folgenden Frühjahr auch an den noch grösseren GP von Bern mitzunehmen. Trotz Bedenken, dass die dort zu laufenden 16km für einen Zehnjährigen doch etwas viel seien, wurde Stefans Wunsch erfüllt, und damit war der Mittel- und Langstreckenläufer Stefan Mühlemann «geboren». Noch während seiner Sekundarschulzeit in Rüschlikon fand er den Weg in den TV Unterstrass und besuchte dort wöchentlich zwei Mal das Training in der Leichtathletik Jugendriege auf der Rösli-Sportanlage, mitten im Quartier. Dort lag der Fokus des Leiterteams rund um Max Tobler auf der Vielseitigkeit, und Stefan kam so auch mit Kugelstossen, Weitsprung oder Speerwerfen in Kontakt und vermochte sich auch für diese technischen Disziplinen durchaus zu begeistern.
Mit dem Wechsel an die Kantonsschule Enge, ganz in der Nähe der Sportanlage Sihlhölzli, dem Haupttrainingszentrum des TVU, bot sich dann für den Teenager ein Wechsel zu den «Grossen» an, und dort schloss er sich den Mittelstrecklern unter der Leitung von Franz Kälin an. Und Stefan erinnert sich noch heute gerne an die tollen Trainingslager, welche den Nachwuchssportlern des TVU u.a. auch in St. Moritz geboten wurden. Ausgerüstet mit detaillierten Trainingsplänen und einem grossen Trainingsfleiss durfte er schon bald die ersten Lorbeeren ernten. In der Kategorie Jugend B schaffte er schon 1987 den Sprung an die Nachwuchsschweizermeisterschaften, und im folgenden Jahr wurde in der TVU Vereinschronik Stefan Mühlemann bereits als Sieger der Kantonalen Crossmeisterschaften in seiner Kategorie gemeldet. Dazu kamen natürlich regelmässig die Starts am Zürcher Silvesterlauf und an anderen Strassenläufen, wo die Distanzen stets länger wurden.
1992, nach Abschluss der Mittelschule mit der neusprachlichen Matura, beendete Stefan auch seine Laufbahn als lizenzierter Leichtathlet, und zwar stilvoll mit einer Silbermedaille über 3000m Steeple an den Junioren Schweizermeisterschaften. Dem Laufsport mit Läufen bis zur Marathondistanz blieb er aber weiterhin treu.
Beruflich wendete er sich nach einem Zwischenjahr dem Wirtschaftsstudium zu und immatrikulierte sich zu diesem Zweck an der HSG in St. Gallen, wo er das Studium mit dem Lizentiat in Wirtschaftswissenschaften abschloss. Danach wechselte er beruflich nach Genf, und nach zwei Jahren bewarb er sich bei Nestlé, weil er dort die Möglichkeit sah, seinen Traum von längeren Aufenthalten auf dem südamerikanischen Kontinent mit der beruflichen Tätigkeit zu verbinden. So wurde er nach knapp zwei Jahren am Hauptsitz in der Schweiz nach Südamerika geschickt, wo er in Panama, Peru und Brasilien Land und Leute kennen lernte. Die Liebe zum Laufsport hat er auch in Südamerika nicht verloren, denn auch dort gibt es Strassenläufe noch und noch. Zum Abschluss seiner Auslandzeit lebte er mit seiner Familie noch drei Jahre in den USA, bevor die Mühlemanns in die Schweiz zurückkehrten, und weil Stefan in Zürich leben wollte und Nestlé fast überall auf der Welt Vertretungen hat, nur nicht in Zürich, suchte er sich eine neue Herausforderung. Er schätzt sich sehr glücklich bei der Familienfirma Candrian einen grossartigen Arbeitgeber mit langer Tradition gefunden zu haben. Candrian ist eine Gastronomiefirma und in den Bereichen Take-Away, bediente Gastronomie und Hotellerie tätig. Er ist dort in der Geschäftsleitung als CFO (Finanzchef) für das Finanzwesen, Controlling, EDV, Logistik und Einkauf zuständig und bringt damit aus seinem Beruf sicher jene Kenntnisse mit, die es als neuer Stratege beim Zürcher Silvesterlauf braucht.
Dazu bringt Stefan auch persönlich noch eine ganze Anzahl Startende für die künftigen SILAs mit, denn seine Frau und die drei Kinder Hannah (11), Jakob (10) und Leo (8) sind bereits seit Jahren SILA-gestählt. Seine Frau Katrin, die er schon seit der Schulzeit kennt, ist ebenfalls eine begeisterte Läuferin und auch sonst eine gute Sportlerin, mit der er zusammen auch schon einen Marathon absolviert hat. Sie war fast von Anfang an bei seinem Amerika-Aufenthalt dabei, aber für die Heirat reisten die beiden dann doch rasch zurück in die Schweiz. Alle drei Kinder kamen in Peru zur Welt. 2014 kamen Mühlemanns zurück in Schweiz, wo sich die Familie in Zürich Oberstrass gut eingelebt hat. Und natürlich ist seit ihrer Rückkehr der Zürcher Silvesterlauf wieder ein fixer Programmpunkt in der Agenda der sportlichen Familie. Aus organisatorischen und beruflichen Gründen trainiert Stefan heute jeweils frühmorgens und meist allein. Pro Jahr läuft er neben vereinzelten anderen Strassenläufen meistens ein bis zwei Marathons (Bestzeit: 2h 53’), und sein grosses Ziel ist es, die 16 km des GP von Bern noch einmal unter einer Stunde zu laufen.
Peter Tobler

Fünf Antworten auf unsere Fragen:
Red.: Stefan, wie kam der Kontakt mit dem Verein Zürcher Silvesterlauf zustande?
Stefan Mühlemann: Bruno Lafranchi fragte meinen gelegentlichen Trainingspartner Andreas Schmid (einen Athleten aus dem TVU) an, ob er Interesse am Präsidium des VZSILA hätte, aber Andreas musste als Journalist ablehnen, da sonst Interessenskonflikte auftreten könnten. So wandte Andreas sich an mich und meinte, ich wäre doch ausgezeichnet geeignet für diesen Job. Ich überlegte eine Weile und sagte dann zu, mich mit Bruno Lafranchi zu treffen, um mehr über die Anforderungen zu erfahren. Nach einem guten Gespräch und einigen weiteren Tagen des Abwägens, sagte ich dann überzeugt zu, mich an der GV zur Wahl zu stellen.

Red: Was ist in deinen Augen der Zürcher Silvesterlauf? 
S.M.: Der Zürcher Silvesterlauf ist in der Schweizer Laufszene eine Institution und mit rund 24’000 Teilnehmern der grösste Laufanlass in der Ostschschweiz. Er ist auch für die Stadt Zürich zu einem Wahrzeichen geworden und wird vor allem als Breitensportanlass für alle Altersstufen weitherum geschätzt.

Red: Was bedeutet es für dich, nun Präsident des verantwortlichen Vereins zu sein?
S.M.: Ich fühle eine grosse Verantwortung, über die ich mich aber riesig freue. Ich bin stolz, bei einem Anlass mit so langer Tradition und mit einem sehr grossen Qualitätsstandard mithelfen zu können. Als Einwohner der Stadt Zürich bin ich ohnehin stolz auf diesen sportlichen Grossanlass, denn gerade der Breitensport braucht solche «Monumente» als Ansporn.

Red: In welche Richtung möchtest du den Silvesterlauf bewegen?
S.M.: Als wichtigstes Ziel sehe ich die Erhaltung und die Konsolidierung des bisher Erreichten. Das Gütesiegel des Silvesterlaufs muss unbedingt bestehen bleiben. Als Neuling im Leitungsgremium ist es für mich noch viel zu früh, langfristige Pläne zu machen. Dazu braucht es noch einige Zeit der Einarbeitung in die Materie. Kurzfristig sehe ich nach diversen Gesprächen als erste Priorität die Suche nach einem neuen OK-Chef, denn Bruno Lafranchi wird 2019 den Lauf zum letzten Mal organisieren, und er wird nicht so leicht zu ersetzen sein. Das Finden eines geeigneten und fachlich versierten neuen OK-Chefs wird eine erste Nagelprobe für den neuen Vorstand des Vereins Zürcher Silvesterlauf sein.
Daneben wird aber auch die bisherige Struktur des Vereins ein wichtiger Diskussionspunkt sein, und die Statuten haben möglicherweise auch eine Anpassung an die neuen Verhältnisse nötig.

Red.: Wie siehst du die Verbindungen mit dem TVU und vor allem mit dem LAC?
S.M.: Erstens darf ich sagen, dass ich mich ausserordentlich freue, nach langer Abwesenheit, wieder mit dem TVU in Kontakt zu kommen und dabei viele alte Kollegen aus meiner Juniorenzeit wieder zu treffen. Deshalb ist es für mich auch sehr wichtig, mit den entscheidenden Gremien im TVU und im LAC möglichst rasch gute Beziehungen knöpfen zu können. Die TVU-Mitglieder sollen merken, dass der VZSILA nicht nur auf dem Papier ein wichtiger Teil des Turnvereins Unterstrass ist, sondern dass er in den TVU-Strukturen gut verankert ist. Wir brauchen uns schliesslich gegenseitig.

Red.: Stefan, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für deine neue Aufgabe.

(Interview: Peter Tobler)