Besuch im Quarzsand-Bergwerk in Buchs ZH

Unser diesjähriger Herbsttreff führte uns nach Buchs im Furttal. Einige besonders fitte Skiclübler frequentierten die ÖV und spazierten dann bei wunderschönem, war­mem Herbstwetter vom Bahnhof Buchs hinauf zum Restaurant Bergwerk. Dort sassen die mit dem Auto angereisten Teilnehmer bereits im Gartenrestaurant beim Aperitif und sprachen zufrieden dem weissen Traubensaft zu.
Aufgeteilt in zwei Gruppen wurden wir dann von Frau Wetzel in das Bergwerk geführt. Ausgestattet mit vier Gaslaternen machten wir uns auf, das Quarzsand-Bergwerk zu erforschen. Zwischen 1894 und 1922 wurde in diesem Bergwerk Quarzsand für das berühmte grüne Bülacherglas abgebaut. Da der Quarzsand lehmhaltig ist, konnte damit nur grünes Glas hergestellt werden. Es entstand ein faszinierendes Labyrinth von 400 Metern Längsgängen und 350 Metern Quergängen. Unter der Führung von Frau Wetzel tasteten wir uns durch die Gänge und bestaunten die zahlreichen, reliefartigen Figuren, welche die Bergleute in ihrer freien Zeit in den Sand gemeisselt haben. Dass sie für diese Kunstwerke noch Zeit hatten, wunderte uns allerdings. Die Bergleute mussten nämlich gemäss unserer Führerin jeden Tag einen Bahnwagen voll Quarzsand herauspickeln. Diese Arbeit war sehr anstrengend. Da hätte man doch eigentlich erwartet, dass sich die armen Kerle, wenn sie schon ein paar freie Minuten fanden, entweder ausgeruht oder nach draussen begeben hätten, um ein wenig Sauerstoff zu tanken. Auch soll der Chef, ein Herr Spühler, manchmal nachts noch gepickelt haben, um den Bahnwagen füllen zu können. Das war ja kein Wunder, wenn die Arbeiter, statt Quarzsand abzubauen, Engel, Marias, Wappen, Steinböcke und so weiter in den Sand meisselten. Die vier mit der Arbeit beauftragten Bergleute erhielten pro Tag sechs Franken. Ein Bahnwagen voller Sand brachte 25 Franken ein. Der Herr Spühler verdiente also einen ganzen Franken pro Tag. Deshalb wurden schon während der Abbauarbeiten Besichtigungen in den Stollen durchgeführt. Das war wohl auch der Grund, weshalb die Stollen mit Kunstwerken ausgeschmückt wurden. Da es im Bergwerk das ganze Jahr über immer neun Grad Celsius hat, sind die wunderschönen Skulpturen, welche mit Wasserfarbe bemalt wurden, noch immer so toll erhalten. Allerdings waren auch schon Vandalen am Werk, fehlte doch einem Sandhasen der Kopf.

Nachdem wir rund vierzig Minuten durch die Gänge gelaufen und die Kunstwerke bewundert hatten, kündigte uns Frau Wetzel noch einen Höhepunkt an. Sie werde uns noch ein bengalisches Feuerwerk präsentieren. Wir wurden an einen kleinen unterirdischen See geführt, die Lampen wurden zur Seite gestellt und wir harrten im Dunkeln aufgeregt der Dinge, die da kommen sollten. Dann zündete Frau Wetzel ein rotes bengalisches Zündhölzchen an und wir sahen hinter dem Wasser den schlafenden Luzerner Löwen im roten Licht. Unsere Führerin zündete noch zwei weitere Zündhölzchen an und wir applaudierten mit begeisterten Ahs und Ohs. Dann ging es wieder ans Tageslicht zurück und die zweite Gruppe konnte ins Bergwerk einsteigen.

Wir setzten uns wieder ins Gartenrestaurant. Allerdings war es inzwischen deutlich kühler und herbstlicher geworden. Wir begaben uns deshalb ins Restaurant, wo für uns zwei Tische reserviert waren. Der Kellner erschreckte uns zunächst etwas. Er schien ein ziemlich ungehobelter und nicht gerade höflicher Mensch zu sein. Es stellte sich dann aber heraus, dass er nicht unnett, sondern kompetent war, halt mit einem etwas speziellen Humor.

Als die zweite Gruppe ebenfalls wieder zu uns stiess, konnten wir uns auf den Zvieri freuen. Fast alle hatten sich für Käsekuchen und Salat entschieden. Lediglich drei hatten Siedfleischsalat bestellt. Das war dem Wirt zu wenig, deshalb wurden die Karnivoren (auch bekannt als sogenannte Fleischfresser) angehalten, etwas anderes zu bestellen. Zwei entschieden sich für das vegetarische Käsekuchen-Menu. Nur einer fiel aus dem Rahmen und beharrte auf einer Fleischmahlzeit. Er bestellte einen Wurstsalat. Wahrscheinlich wollte er einfach einmal das essen, was er wollte und nicht das, was auf den Tisch kam.

Es war ein sehr schöner und interessanter Ausflug. Wir bedankten uns deshalb bei Silvia, die das alles von A bis Z organisiert hatte (ja, ja, Domi hat mitgeholfen) mit einem herzlichen Applaus. Ebenfalls mit Applaus bedankten wir uns bei Yvonne, die das Bezahlen der Getränke übernahm. Nachdem sich noch einige Nimmersatte an einem Vermicelles-Coupe verlustiert hatten, machten wir uns zufrieden auf den Heimweg.

Alice Maurer