Schmunzelecke: Nasse Füsse im Klöntal

Vor 60 Jahren:

Nasse Füsse am Klöntalersse
Wenn man als 72jähriger Senior 60 Jahre zurückdenkt und sich dabei noch gut erinnert, was damals in den Sommerferien am Klöntalersee passierte, dann muss dieses Erlebnis doch ziemlich einschneidend gewesen sein – oder wenigstens ziemlich nass…

Eine Erlebniswoche der besonderen Art
Dass das Glarnerland vielfach auch als der «Schüttstein der Schweiz» bezeichnet wird (Sorry, liebe Glarner), das war für uns Jugendriegler im TVU 1957 kein Begriff, als der Jugi-Hilfsleiter Fritz Monego, ein waschechter Glarner, den es nach Zürich verschlagen hatte, für die erste Sommerferienwoche ein Zeltlager am Klöntalersee vorschlug und von Jugileiter Hausi Winterberger dafür auch die Bewilligung bekam.
16 Jugendriegler, die von ihren Eltern die Erlaubnis erhalten hatten, die Reise ins Glar­ner­land mitzumachen, fuhren am frühen Samstagnachmittag (am Vormittag war ja noch Schulunterricht) zusammen mit den beiden Lagerleitern Fritz Monego und Ernst Jaberg mit der SBB via Ziegelbrücke nach Glarus und von dort mit dem Postauto an den Klöntalersee. Auf dem dortigen Campingplatz wurden rasch die drei grossen Zelte aufgestellt, denn ein Blick an den immer dunkler werdenden Himmel verhiess nichts Gutes. Und wirklich, kaum war alles aufgestellt, begann es zu regnen, und die Zelte wurden einem ersten Test auf Wasserdichte unterzogen. Sie bestanden ihn erfolgreich – zum Glück, denn in den folgenden 7 Tagen waren die Zelte der häufigste Aufenthaltsort, denn das Glarnerland erwies in dieser Woche seinem schlechten Ruf wirklich alle Ehre.
Aber auch in den Zelten und der angrenzenden Lagerküche wurde es nie langweilig, und sobald es das Wetter zuliess, wurden im Freien die von den Leitern vorbereiteten Attraktionen durchgeführt. Gleich am zweiten Tag erkundete man die Umgebung bei einem dreistündigen Marsch rund um den Klöntalersee, und der Badestrand wurde als ziemlich überflüssig taxiert, angesichts der Fülle von Wasser, die von oben kam.
Federballturniere, Bogenschiessen, Hindernisläufe und Denksport-Wettbewerbe verkürzten in den folgenden Tagen die Zeit, und bei Küchendienst, Geschirrreinigen und Körperpflege am fliessenden Bach, sammelten die meisten Jugendlichen aus der Stadt ganz neue Erlebnisse in der Natur. Dass das Bachtobel sehr wohl auch als Gelände für einen «Strafmarsch» für die übermütig gewordenen Jugis prädestiniert war, daran erinnert sich der damalige Hilfsleiter Ernst Jaberg auch heute noch. Und danach war wieder Ruhe…
Der Höhepunkt der Woche war zweifellos der Besuch in der Teppichfabrik Ennenda, wo die Jugendriegler erlebten, was streng arbeiten heisst und darob sehr beeindruckt waren. Und der ganz grosse Vorteil: Man war wieder für einige Zeit im Trockenen…
Die beiden Berichterstatter aus der Gruppe, die Jugendriegler Fredi Bänninger und Peter Tobler fanden denn auch einen Rank zur Schluss-Pointe: «Das Heimreisen am Sonntag fiel uns nicht schwer, denn der Himmel weinte ja für uns Zürcherbuben.» Und nach dem Dank an die beiden Leiter für ihre wirklich grosse Arbeit, folgerten sie zum Schluss: «Gibt es schönere Ferien als im Zelt, dafür gibt es nur ein Wort: NEIN»

In die Sprache der heutigen Zeit übersetzt: «Zelten im Regen – krass? Von wegen…»

(Erlebt und erzählt von Peter Tobler)

Abbitte ans Glarnerland
pt) Seit unserem Herbstausflug im ver- gangenen Jahr wissen wir: So schön kann es am Klöntalersee sein – wenn es nicht regnet!

 

Bild: Klöntalersee von der Schwammhöhe aus gesehen