Schanzenbesuch in Einsiedeln

11. Oktober 2009: Augenschein im Skisprungzentrum

Nur Fliegen ist schöner!

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERABeim Skispringen ist es augenfällig: der Weg geht von oben nach unten. So gesehen ist Simon Ammann ein typischer Skispringer, denn er war zuerst Olympiasieger, dann Weltmeister, ehe er in diesem Jahr erstmals auch noch Schweizermeister wurde. So geschehen am Tag, als der Skiclub des TVU bei seinem Herbsttreffen das Springerzentrum in Einsiedeln besuchte.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERADie drei Schanzentürme am Eingang zum Alpthal sind nicht zu übersehen. Mit ihren grünen Kunststoffmatten im Aufsprungbereich und den kühn geschwungenen Anlauftürmen lassen sie zwar die Herzen der Naturschützer nicht eben höher schlagen, jene der Sportfreunde mit einer Affinität zum Skispringen hingegen schon eher. Seit einigen Jahren kann nun auch in der Schweiz im Sommer perfekt trainiert werden. Und daneben lassen sich eben zum Beispiel auch die Schweizermeisterschaften noch bei schönstem Wetter und warmen Temperaturen unter Dach und Fach bringen. Allerdings auch nur vor gut 200 Zuschauern. Aber einige Wochen zuvor, beim internationalen Sommer Grand Prix waren es immerhin etwa 4000.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERADie 24 Teilnehmer/innen am Ausflug des Skiclubs, darunter einige mit eigenen Erfahrungen im Skispringen, allerdings zu Zeiten, als auf dem Stoos und auf dem Üet­liberg Sprünge zwischen zwanzig und dreissig Metern noch das „Höchste der Gefühle“ waren, liessen sich in zwei Gruppen in der grosszügigen Anlage herumführen. Per Sessellift den Sprunghügel hinauf und im Lift auf den Sprungturm wurde noch Kraft gespart.

Die ersten Schwindelanfälle kamen, als der Blick von der obersten Anlaufplattform hinunter in den grünen Auslauf schwenkte. Dass zualleroberst ein Panoramarestaurant für einige Dutzend Gäste gebaut wurde, hat etwas mit Oekonomie zu tun, denn die Unterhaltskosten müssen ja auch in den Springer freien Abendstunden wieder hereingeholt werden. Und die Aussicht über Einsiedeln, den Sihlsee und das Alpenpanorama von den Glarner- bis zu den Urner Berggipfeln muss atemberaubend sein, wenn das Wetter mitmacht.

Die Sprungrichter entscheiden zwar des öfters Wettkämpfe, aber in der Hackordnung sind sie offensichtlich ganz unten, denn sie müssen die über hundert Treppenstufen zu ihren Kojen zu Fuss erklimmen… Keine Frage, dass auch die Untersträssler-Gruppen diesen Stressparcours unter die Füsse nahmen. Der Ausblick auf die imposante Aufsprungbahn entschädigte dann redlich für die Mühe.

Mit einem Budget von 8.5 Mio. Franken hat­te man geplant und die entsprechenden Finanzen auch zusammengetragen. Aber die Schlussabrechnung wies dann, in gut schweizerischer Bautradition, Kosten von 13.5 Mio. Franken aus. Die Folgen mit Konkurs, Auffanggesellschaft, Neubeginn und der hektischen Suche nach Finanzquellen, kennt man ja aus der Wirtschaft nur all zu gut. Aber immerhin, die Schanzen sind benutzbar, allerdings vorerst nur im Sommer. Weil die Aufsprungbahn in Herbst mit einem engmaschigen Netz belegt werden muss, damit der Schnee auf dem Steilen Gelände auch hält, reichte das Geld vorläufig nur für die kleiner 70m-Schanze. Für die 117m-Schanze müssen zuerst noch hunderttausend Franken gefunden werden, damit dann dort auch in der ursprünglichen Form des Skispringens, im Schnee geübt und gewonnen werden kann.

Im Sommer werden die Schanzenausläufe aber auch für Trendsportarten genützt. So können mutige Draufgänger mit einem aufblasbaren Gummischlitten bäuchlings die rund 250m lange Piste „hinunterfräsen“, gut eingepackt in Overalls, Helm, Bein und Armschoner. Der Sprungrichterturm lädt zu Abseilübungen ein, und mit einem Kiosk, dem Panoramarestaurant und den Führungen durchs Schanzengelände kommen weitere Einnahmequellen hinzu.

Nach der zweistündigen Informationstour liessen sich die Skiriegler/innen im Hotel Sonne in Einsiedeln bei einer vom Skiclub offerierten kalten Platte den interessanten Nachmittag nochmals durch den Kopf gehen und einige kamen zum Schluss: „Die Schanzen sind so schön – nur Fliegen ist noch schöner…“

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Peter Tobler