Nachruf für Ehrenmitglied Heiri Erb

Wir trauern um
Ehrenmitglied Heinrich Erb † (17.7.1919 –24.6.2019)
Am Ende hat es doch nicht mehr gereicht! Ehrenmitglied Heiri Erb verpasste seinen hundertsten Geburtstag um rund drei Wochen und schlief am 24. Juni für immer ein.  Und dabei hatte er sich doch in den letzten Monaten auf den «Hundertsten» so gefreut, nachdem er in den vergangenen fünf Jahren nach seinen vielen Spitalaufenthalten immer wieder davon gesprochen hatte, dass er gerne «gehen» möchte. Aber ein Ziel hat er erreicht. Er konnte daheim in seinem Haus sterben, denn er hatte sich jahrelang mit Händen und Füssen dagegen gewehrt, einen Lebensabend in einem Alters und Pflegeheim verbringen zu müssen. Dann schon lieber fünfmal pro Tag die «Spitex» im Haus…
Wir entbieten seiner Tochter Heidi und ihrer Familie unser tiefes Beileid zum Tod des Familien-­Oberhaupts und wünschen in traurigen Tagen die nötige Kraft zum Verarbeiten des schweren Verlusts.
Im Alter von 19 Jahren trat Heiri Erb dem Turnverein Unterstrass bei und turnte mit der Turnfestsektion, wo sein Talent als Diskuswerfer und Kugelstösser den LA-Trainern bald einmal auffiel, so dass Heiri an vielen SVM-Wettkämpfen dem TVU wertvolle Punkte lieferte. Auch an Turnfesten war Heiri in den leichtathletischen Disziplinen und im Stafettenlauf eine sichere Stütze.
Nach seiner aktiven Sportkarriere hielt sich Heiri in der Männerriege fit und wurde dort alsbald als Organisator und wertvolles Vorstandmitglied erkannt. 1977 wurde er zum Abteilungspräsidenten der Männerriege gewählt, wo er im folgenden Jahr gleich den Kantonalen Männerspieltag als OK-Präsident leitete. In der Männerriege begann er das Gesellschaftsleben mit vielen Familienanlässen zu fördern, und auch die persönlich überbrachten Glückwünsche bei Jubilaren waren ihm wichtig. Seine Präsenz an den Männerriegen-Chränzli und seine Präsidial-Ansprachen waren legendär, und auch bei der grossen Abendunterhaltung des TVU waren er und seine Frau Anneli während vielen Jahren für die Tombola zuständig.
Heiris zweites grosses Hobby neben dem Turnen war die Musik. Als begabter Klavierspieler und später mit der Elektro-Orgel spielte Heiri bei Dutzenden von TVU-Anlässen zu Tanz und Unterhaltung auf, und für die beiden Eidgenössischen Turnfesten von 1972 und 1978 lieferte er mir als Oberturner die perfekt passende Musik für die Körperschul-Übungen.
Für seine grossen Verdienste wurde Heiri Erb 1985 zum Ehrenmitglied ernannt, und schon im Jahr darauf musste er in einer schwierigen Phase des TVU, als Männerriegen-Obmann auch gleichzeitig den TVU als «Zentralpräsident a.i.» über Wasser halten. Im Vorstand fehlten in dieser Zeit auch noch der Kassier, der Aktuar und der Jugendriegenleiter, so dass Heiri echt gefordert war. Fast zwei Jahre dauerte es, bis Heiri seinen a.i.-Posten wieder los wurde, gerade so rechtzeitig, dass der TVU-Vorstand wieder mit Vollbestand kraftvoll auf das 125 Jahr-Jubiläum im Jahre 1989 lossteuern konnte.
Bei den Veteranen machte der Verstorbene seit seiner Ernennung 1960 mit, und nachdem er mit über 75 Jahren in seinem Beruf in der Immobilienbranche kürzertrat, war er ein gern gesehener Gast bei den monatlichen Hocks und den Tagesausflügen. Vor einem Jahr wurde Heiri als erst zweiter Untersträssler für eine 80 Jahre dauernde Mitgliedschaft geehrt. Er konnte allerdings an der Vereinsversammlung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen, freute ich aber sehr über die nachträglich überbrachten Glückwünsche und die 5g Gold.
Nachdem Heiri im vergangenen Jahrzehnt zuerst seine Frau Anneli und dann auch noch seinen Sohn Peter durch den Tod verlor, fand er beim TVU 60plus und seinen Kameraden neuen Lebensmut. Vor etwa fünf Jahren begann es dann allerdings mit seiner eigenen Gesundheit zu kriseln, und er musste eine ganze Reihe von Spitalaufenthalten verkraften. Dabei hatte er stets nur ein Ziel: so rasch als möglich zurück nach Hause in sein eigenes Heim in Schwamendingen. Man konnte ihm die Vorteile eines Pflegeheims noch so malerisch schildern, man fand kein Gehör! Und Heiri war sich Zeit seines Lebens gewohnt, sein Leben im patriarchalen Stil selber zu bestimmen, so dass er sich auch in dieser Frage durchsetzte. Dadurch war er zwar am späten Nachmittag, als er starb, allein, aber zufrieden in der Gewissheit, daheim zu sein.

Peter Tobler