Herbstausflug des TVU 60plus, 13.9.2018

TVU-Reise zum oft verkannten Rohstoff «Wolle» 
Wie lange dauert eine Reise von den südafrikanischen Straussen zu den asiatischen Kamelen, den peruanischen Lamas und den indischen Kashmir-Ziegen? Sie dauert genau 364 Tage oder von Herbstausflug zu Herbstausflug des TVU 60plus!Nach der Straussenfarm beim Ausflug 2017 konnten wir die Tierschau auf dem Ausflug 2018 noch toppen, denn der Spycherhof im oberaargauischen Huttwil weist eine Fülle von einheimischen oder exotischen Tieren auf, welche alle etwas gemeinsames haben: sie liefern Wolle oder Edelhaar als Rohstoff für die Produktion von Konsumgütern, welche in ihrem Nutzen und ihrer Nachhaltigkeit oft verkannt werden. Seit dem 13. September ist es wieder ein halbes hundert Leute mehr, welche über die Vorteile und die Qualität der Wollprodukte aus der ganzen Welt Bescheid wissen.

Beschauliche Reise in den Oberaargau
Alois Schelbert (was für ein prominenter Stöösler-Name), der Chauffeur des Drusberg-Cars, kutschierte die 45 Teilnehmer/innen aus dem TVU 60plus vom Zürcher Carparkplatz aus bei schönstem Reisewetter durch das Säuliamt, das Entlebuch und das Emmental in den Oberaargau und fand dabei Strassen abseits der grossen Routen, welche den meisten Reisenden bisher noch unbekannt waren. Nach rund zwei Stunden Fahrzeit erreichten wir den Spycherhof in Huttwil, wo im Bistro bereits die traditionelle Kaffee/Gipfeli-Pause vorbereitet war.

Was wollen wir mit Wolle?
Wolle, das ist doch jenes Material, über welches die Mitschülerinnen früher in der «Handsgi» jeweils so süffisant gelästert haben, wenn sie wieder einmal ein Paar Strümpfe daraus lismen sollten…
In Huttwil war davon nichts zu hören. Im Gegenteil, die Wolle wurde uns als nachhaltiger und hochwertiger Rohstoff vorgestellt, welcher in den meisten Bereichen den Kunstfasern überlegen ist und deshalb auch seinen (hohen) Preis rechtfertigt.
In zwei Gruppen wurden unsere Reiseteilnehmer durch die Schaukarderei geführt, und man erhielt Einblick in die Wollverarbeitung nach der Schur der Tiere über die Reinigung, die Karderei (Öffnen und Kämmen der Wollfasern) bis zu den fertigen Produkten des täglichen Lebens, von denen man vielfach gar nicht zur Kenntnis nimmt, dass sie aus Wolle sind.
Danach zeigten uns die beiden Führer (Mutter und Sohn aus der Besitzerfamilie Grädel) die weiteren Attraktionen auf dem Spycherhof, natürlich in erster Linie die grosse Anzahl verschiedener Wollelieferanten die man hautnah besichtigen konnte. Nach Voranmeldung sind sogar etwa anderthalbstündige Kamel-Treckings möglich, auf Tieren, die auf dem Spycherhof gezüchteten worden sind. Auf einer Wiese hinter dem Bauernhof steht ein mongolisches Jurten-Dorf, bereit für ein Abenteuer-Weekend in dieser exotischen Behausung der mongolischen Nomaden.

Der Spycherhof, ein innovativer Familienbetrieb
Zu Beginn der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts stellten die Besitzer des alten Spycherhofs fest, dass sich mit Milchwirtschaft kein ausreichendes Einkommen mehr erwirtschaften lies, und die damaligen Besitzer, die Geschwister Grädel stellten den Hof sukzessive auf Schafzucht um, damit so die Produktion und Verarbeitung von Wolle für eine breitere Existenzgrundlage sorgen konnte. An der Landwirtschaftsmesse BEA 1981 in Bern trat man erstmals mit der Demonstration der Wollverarbeitung an die Öffentlichkeit, und das grosse Interesse führte dazu, dass in Huttwil bald einmal Tage der offenen Tür geschaffen wurden, welche dann durch Vergrösserung und Verbreiterung des Angebots in die «AG Schaf­schur» in Huttwil mündete. Motto: «Vom Schaf zum Kleidungsstück».
Neben dem Schaf wurden laufend neue Woll- oder Edelhaar-Lieferanten auf dem Spycherhof angesiedelt, teilweise Tierarten, welche in der Schweiz oder im Ausland vom Aussterben bedroht sind. So kommt ein schöner Zoo zusammen, welcher erst noch viele verschiedene Wollsorten für die Verarbeitung liefert. Damit stiegen natürlich auch die Verwendungsmöglichkeiten, und neben der Kleiderproduktion ist vor allem das Geschäft mit den Bettdecken und weiterem Zubehör aus dem atmungsaktiven und Feuchtigkeits-absorbierenden Naturprodukt ein starkes Standbein geworden, ebenso wie Isolationsmatten und Vlies-Unterlagen für den Baubedarf.
Der Familienbetrieb Grädel, mit derzeit zwei neuen Generatio-nen im Betrieb vertreten, hat eine Nischenproduktion gefunden, welche für rund zwei Dutzend Arbeitsplätze sorgt. Und natürlich hat sich auch der Onlinehandel schon sehr gut etabliert.
Auf alle Fälle kann man allen Mitgliedern, welche den diesjährigen Herbstausflug verpasst haben, den Spycherhof als Ziel eines Tagesausflugs nur empfehlen.
(Informationen: www.spycher-handwerk.ch)

Mittagessen nach «Berner Art»
Für das Mittagessen hatte Bruno Seiler, der sich wieder als umsichtiger und humorvoller Reiseleiter entpuppte, das Panorama-Restaurant «Fritzenfluh» im nahe gelegenen Wyssachen ausgesucht, und als wir dort aus dem Car stiegen, stand schon der Apéro auf der sonnenbeschienenen Aussichts-Terrasse des Restaurants bereit. Damit fanden wir mühelos den Einstieg zum Mittagessen im grossen Saal, wo die Leiterin des Restaurants, Ursula Flückiger (eine ehemalige Berner Leichtathletin) ein Buffet mit allen Köstlichkeiten der Berner-Platte bereitgestellt hatte, so dass sich jedermann nach eigenem Gusto bedienen durfte, was vor allem den «Sauerkraut-Muffeln» entgegenkam, die sich dafür an den Bohnen schadlos halten konnten…
Die Infos von Bruno Seiler und die Begrüssung durch Präsident Jörg Schaad lenkten die Aufmerksamkeit der Gesellschaft nur kurz ab, und danach konnte man sich bereits auf den Dessert vorbereiten. Und was konnte das im Emmental anderes sein, als eine währschafte «Merängge» mit Niidle und Glacé.
Mit dem Ausfüllen einer Unterschriftensammlung für die Grusskarte an die kranken oder sonst wie verhinderten Kameradinnen und Kameraden, sowie mit dem Abliefern des Kostenanteils von 70 Franken an Kassier Peter Zingg, ging der Aufenthalt in der Fritzenfluh zu Ende, und der Carchauffeur wurde wieder zur Hauptperson, der uns auf einem Teilstück der «Grand Tour Suisse» wieder in Richtung Zürich lenkte. Für den letzten Rest der Strecke benützten wir ab Lenzburg die Autobahn, die uns direkt an den Zürcher Stadtrand führte. Ankunftszeit in Zürich auf dem Carparkplatz Sihlquai etwa um 17.15 Uhr. –
Denkste!!!
Vom ehemaligen Fussballstadion Hardturm bis zum Escher Wyss-Platz konnten wir auf etwa 1,5 km Distanz im Stau die gesamte verfehlte Verkehrspolitik der Stadt Zürich in den letzten 50 Jahren hautnah am eigenen Leib erfahren. Wir erreichten unser Ziel beim Hauptbahnhof kurz nach 18.30 Uhr –

Hausaufgaben: «Rechne die Durschnittsgeschwindigkeit aus und mache Verbesserungsvorschläge zur Abwahl unserer Verkehrspolitiker…!»
Peter Tobler

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