Fahrt ins Blaue vom 8. Juni 2017

Die «Sportstadt Uster» zeigte sich im Sonntagsgewand!

Als gerechter Ausgleich zum vergangenen Jahr war diesmal das Wetterglück auf der TVU-Seite, und die fast 50 Teilnehmer/innen von TVU 60plus verlebten an der Fahrt ins Blaue einen Tag bei wundervollem Sommerwetter.

Nach einer kurzen Anreise vom Treffpunkt am Zürcher HB steuerte die Reisegruppe mit der S15 ihr Ziel in Uster an und wur­de per Bus vom Bahnhof zu den Sportanlagen gefahren. Die anfängliche Skep­sis unter den Teilnehmern war unausgesprochen zu spüren: Was sollten Sportanlagen den Mitgliedern eines Sportvereins neues bringen können? Aber was Uster in dieser Hinsicht auf kleinstem Raum zu bieten hat, ist wirklich einmalig.
Badminton, Squash, Tennis, Leichtathletik-, Fussball- und Pferdesportanlagen und dazu zwei grosse Dreifach-Sporthallen und ein Bocciodromo liegen alle ganz nahe beieinander und bestätigen den guten Ruf der «Sportstadt Uster». Und mittendrin das Hallenbad, welches vor 30 Jahren mit einem Deckeneinsturz traurige Berühmtheit erlangt hatte und seither völlig umgebaut und massgeblich vergrössert worden ist. Es besitzt nun die grösste Schweizer Schwimmanlage mit Olympia-Normen. Und alles ist von der Öffentlichkeit jederzeit benutzbar.
Am Vormittag konnten die verschiedenen Sportanlagen in zwei Gruppen besichtigt werden, und das Hallenbad wurde für den Nachmittag aufgespart.
Das Highlight der morgendlichen Besichtigungen war zweifellos die privat erbaute und betriebene Kletterhalle «Griffig», die mit ihren Ausmassen und ihrer Vielfältigkeit und der technischen Vollkommenheit die zweitgrösste derartige Halle in Europa ist. Auf einer Kletterfläche von 4300 m2 und einer maximalen Wandhöhe von 17m können bis zu 330 Kletterrouten mit Schwierigkeitsgraden von 3 bis 8 genützt werden. Verschiedene Kletterwände sind im Freien aufgestellt, und auch die Indooranlage kann durch grosse Tore mit Frischluft versorgt werden. Und was im Gebirge nur Wunschtraum ist, kann hier problemlos realisiert werden: nach einer schwierigen Route geht man mal rasch auf einen Kaffee in die Kafi-Bar gleich neben der Wand, oder wie die Kletterfreaks sagen: «Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns…¨»
Es war faszinierend, von Renato Salvini, einem der Gründer dieser vor zwei Jahren eröffneten Anlage, zu hören, mit welcher Akribie sich die Erbauer dieses 7 Millionen Franken-Projekts schon in der Anfangsphase auch mit möglichen Erweiterungen und technischen Verbesserungen auseinandergesetzt hatten. So können Neubauten realisiert werden, welche als voll integrierte Teilstücke daherkommen. Von Flickwerk oder Anbaumentalität keine Spur!
Damit die ganze Anlage einigermassen rentieren kann, muss sie natürlich als «Eventhalle» vermarktet werden können, und auch hier wurde unglaublich viel «Know-How» eingebracht, damit es für Gruppen und Familien oder ganze Vereine zu einem unvergesslichen Erlebnis werden kann, sich im «Griffig» möglichst pfiffig und doch sportlich vergnügen zu können. Höhepunkt dieser Vermischung von Klettern und Vergnügen ist der Grillabend, bei dem der Kletterwürfel für Kinder und Anfänger mit wenigen Handgriffen in eine Grillbar umgebaut wird…
Passend zum Besuch von TVU 60plus werden übrigens vom kommenden Herbst an erstmals Anfängerkurse «60+» angeboten, denn bei den vorhandenen Hilfseinrichtungen braucht es nicht einmal Schwindelfreiheit als Voraussetzung. Es ist denn auch ein Anliegen von Renato Salvini, zu betonen, dass in den zwei Jahren des Betriebs noch kein einziger Kletterunfall zu beklagen war. (Kopfweh oder Stolpern auf einer Treppe sind schon die grössten medizinischen Probleme.)
Um die Mittagszeit wendeten sich beide Gruppen dann dem Bocciodromo zu. In diesem «Boccia-Tempel» befindet sich auch das Ristorante da Maria, ein Lokal mit italienischen Spezialitäten und mit einer sehr schönen, grossen Gartenbeiz, welche vom TVU fast vollständig besetzt wurde. Das Dreigang-Menü mit Insalata mista, Brasato con Tagliatelle und als Dessert ein waschechtes Tiramisu kam bei den Teilnehmern sehr gut an, und weil auch der Fahrplan mit der «Ansprache» des Präsidenten Jörg Schaad, dem Servieren und dem Einkassieren strikte eingehalten wurde, war die Reisegesellschaft nach rund zwei Stunden wieder zu neuen Taten, respektive zum Marsch ins Hallenbad bereit.
Auf dem Weg dorthin wurde noch rasch ein «Familienfoto» geschossen, denn es war aufgefallen, dass unter den Teilnehmern diesmal sehr viele Mitglieder des LAC vertreten waren. Genau ein Drittel aller Anwesenden stammt aus dem Kreis der ehemaligen Leichtathleten.
Beim Hallenbad wartete dann die nächste Überraschung, denn der Geschäftsleiter des Ustermer Sportamtes hat TVU-Wurzeln. Beat Berger ist der Sohn von Ernst Berger Jun. und der Enkel der TVU-Skilegende Ernst Berger Sen., und er freute sich ganz besonders, die Gäste aus dem TVU willkommen heissen zu dürfen. Er machte die Besucher mit erstaunlichen Zahlen der Sportstadt Uster vertraut und referierte über die Hintergründe, die zu diesen grosszügigen Sportanlagen geführt hatten.
Parallel dazu durfte das Hallenbad besichtigt werden, welches mit Wassertemperaturen bis zu 30° C in einzelnen Becken aufwarten kann und dazu auch einen ausgedehnten Wellness- und Saunabereich anbietet. Als nächstes ist auch noch die Angliederung einer Aussenanlage mit einer Wiese fürs «Sünnele» geplant, um hier der Konkurrenz durch die Freiluftbäder entgegen-zuwirken. Den grössten Eindruck machte der Olympiapool, ein 50m-Becken mit 10 Bahnen, welches in wenigen Minuten in zwei 25m-Becken unterteilt werden kann.
Nach der Führung durchs feuchtheisse Klima der Badeanlage war man froh, in der trockenen Sommerhitze etwas Erfrischung zu finden, umso mehr, als Bruno Seiler den Abschluss der Fahrt ins Blaue auf einen Grillplatz in einem Wäldchen am Rande der Sportanlagen gelegt hatte, wo Rolf Goetz mit Getränken wartete, um den Flüssigkeitshaushalt wieder à jour zu bringen. Dabei durften Bruno Seiler und seine Helfer noch den verdienten Applaus für die grossartige Organisation und den Dank für den sportlich interessanten und kulinarisch köstlichen Traumtag entgegennehmen, bei dem man mehrfach kaum mehr aus dem Staunen herausgekommen war.
Danach teilte sich die Reisegesellschaft in zwei Gruppen von denen die eine den direkten Bus zum Bahnhof nahm und die andere noch einen kurzen Fussmarsch zu einem Aussichtspunkt mit schönem Blick über Uster hinweg bis zu den Glarner Alpen absolvierte und von dort dann den Abstieg zum Bahnhof antrat. Dank dem in Uster herrschenden regen Bahnverkehr war die individuelle Rückkehr an die Wohnorte kein Problem, selbst im einsetzenden Abendstossverkehr nicht.

Peter Tobler


–  Kartengruss von der Fahrt ins Blaue
–  Fotogalerie der Fahrt ins Blaue
–  Informationen über das Kletterzentrum „Griffig“