Behind the scene: Alexander Hautle

In einer neuen Serie möchten wir die Trainer, die tagtäglich für den TVU auf der Bahn stehen oder mit den Laufgruppen unterwegs sind, vorstellen.

Von: Isabelle Schmid

Den Anfang macht Alexander Hautle: der 45-jährige Zürcher ist seit seinen aktiven Zeiten Mitglied beim LAC TVU und trainiert nun seit zwölf Jahren die Langsprint- und Langhürdengruppe des Vereins. Bis zu drei Trainings pro Woche leitet Alex im Sihlhölzli und auch an den Wettkämpfen ist er während der Saison oft anzutreffen. Ausserdem versorgt er seine Athleten mit Trainingsplänen für Lauf- und Krafttrainings und wenn es sein muss auch für Alternativen wie zum Beispiel Aquajogging.

Während die Gruppe in den letzten Jahren oft eher klein war, sieht es diese Saison anders aus: dank einigen Athleten aus dem Nachwuchs- sowie dem Mittelstreckenbereich absolvieren nun meistens über zehn Athleten und Athletinnen die Trainings am Montag- und Donnerstagabend. Erfreulich ist, dass nun auch wieder einige motivierte und trainingsfleissige Jungs mit der Gruppe trainieren.

Das sagt Alex zur momentanen Konstellation im Team:

“Es ist eine grosse Gruppe, aber es funktioniert ziemlich gut. Die Läuferinnen und Läufer können nun in verschiedenen Serien laufen, in denen das Niveau etwa ähnlich ist. Mit kleineren Trainingsgruppen war das in der Vergangenheit kaum möglich. Die Mittelstreckenathleten fordern mit ihrer Tempohärte die 400m Läufer, umgekehrt verlangen die 400m Läufer von den Mittelstreckenathleten in Sachen Schnelligkeit einiges ab. Manchmal muss man auch etwas bremsend einwirken.“

Alex ist immer sehr bemüht, dass wir Athleten die Bahn für unser Training frei haben: auch ohne Bodybuilderpostur ist er beste Rausschmeisser auf der Anlage und weist die vielen nicht-TVU Jogger bestimmt und meistens auch freundlich auf das rote Licht hin. Dieses signalisiert jeweils, dass die Bahn für Vereinstrainings reserviert ist. Dabei stösst er nicht immer auf allzu viel Verständnis, bis jetzt hat er aber immer die Oberhand behalten.

Als Trainer von Petra Fontanive hat Alex die letzten Jahre auch einige internationale Grossanlässe besuchen können (EM in Zürich (2014) und Amsterdam (2016), WM in London (2017)). Auf die Frage, was sein Lieblingsanlass war, antwortet er:

Als Zürcher könnte ich Zürich sagen, die Heim-EM 2014 war auch ein tolles Erlebnis. Dennoch ist London mein Favorit. An einer WM ist alles eine Nummer grösser als an einer EM, die Disziplinen sind noch stärker besetzt. Petra unter diesen Voraussetzungen im vollen Olympiastadion mit 60‘000 Zuschauern laufen zu sehen war nochmals eine andere Kategorie als wir es aus Zürich oder Amsterdam kannten.

Neben der herausragenden Saison 2017 von Petra waren die SM Titel und Medaillen der 4x400m Staffeln der letzten Jahre sowie die ersten Einzeltitel und Medaillen von Athletinnen an Schweizer Meisterschaften weitere Highlights von Alex’ bisheriger Trainerkarriere.

Da die Saison 2018 nun bereits lanciert ist und einige Athletinnen und Athleten die ersten Wettkämpfe absolviert haben, ist es natürlich interessant zu hören, wie Alex das Team dieses Jahr einschätzt:

“Wenn alle Athletinnen und Athleten fit sind, und alle Disziplinen an Einzel-, Staffel- und Team-SM zustande kommen, könnten es fünf bis sechs Medaillen an Schweizer Meisterschaften werden. Ausserdem schätze ich, dass das Team total 45 persönliche Bestleistungen erzielt!”

Hier noch einige Anekdoten, die wir mit Alex erlebt haben:

Petra: “In einem der ersten Trainings mit Alex war ich an einem Donnerstag die einzige im Training. Der erste lange Lauf war ein 400m, danach folgten weiter Läufe. Damals war ich noch neu in seiner Trainingsgruppe und solche Läufe überhaupt nicht gewohnt. Also fragte ich: „Alex wie schnell muss ich diesen Lauf machen?“. Alex meinte daraufhin, dass ich doch einfach mal laufen sollte, was ich dann auch tat. Als ich im Ziel war, zeigte mir Alex die Zeit: Ich hatte nur 60 Sekunden für diesen Lauf benötigt! Bis dahin war ich noch nie die 400m an einem Wettkampf gelaufen, wusste aber von meiner Schwester, dass die 60 Sekunden-Marke eine wichtige Barriere ist. Völlig beschwingt absolvierte ich den nächsten Lauf, und danach war Schluss, da ich nach dem viel zu schnellen ersten Lauf völlig ausgepumpt war. Aber egal, Alex und ich waren glücklich über meine schnelle Zeit. So unbeschwert und ohne jegliches Gefühl bin ich danach wohl nie wieder einen 400m gelaufen!

Isabelle: “Alex hat sehr viel Humor, der je nach Situation auch ziemlich schwarz sein kann. Ausserdem verfügt er über einen grossen Fundus an Zitaten aus diversen Fernsehserien. Wenn man ihn bestechen will, funktioniert das am besten mit einem saftigen Zitronenkuchen. Das bedeutet nicht, dass man dann ein weniger strenges Training absolvieren darf, aber wenn Alex gute Laune hat, ist das schon mal ein Pluspunkt!”

Petra: “Nach dem Meeting in Genf (2016) war ich sehr enttäuscht und verärgert über meinen Lauf. Alex war natürlich mit dabei und hat mir geraten, meine Frustration doch nebenan im Wald herauszuschreien. Ich habe aber nicht auf seinen Ratschlag gehört. Alex und meine Teamkolleginnen mussten dann zusammen mit mir noch rund 3 Stunden mit dem Zug wieder nach Zürich fahren. Es war keine sehr lustige Heimreise!”

Däny: “Nach harten Trainingseinheiten im Trainingslager belohnt uns Alex jeweils mit Schöggeli”

Avril: “Ich denke, Alex hat im Trainingslager in Teneriffa manchmal ein bisschen zu viel Sonne erwischt, und hat dann versucht, uns in den Pool zu werfen. Er hat leider ein bisschen unterschätzt, wie stark wir durch unser Training im Kraftraum sind.”

Das ganze Langsprint- und Langhürdenteam bedankt sich ganz herzlich bei Alex für seinen grossen Einsatz als Trainer! Auf eine erfolgreiche Saison 2018 mit vielen Bestleistungen, Titeln und Medaillen!